"Grönländische Compagnie" ging von Emden aus auf Walfang

Vor über 366 Jahren erster Walfang von Emden aus

Noch bis zum Beginn unseres Jahrhunderts wurde ein Walfänger hoch geachtet. 
Wer das Buch "Moby Dick" von Herman Melville gelesen hat, erkennt wie diese Draufgänger verehrt wurden und wie ihre Arbeit geschätzt war. Deshalb sollte man die Vergangenheit nicht mit heutigen Maßstäben be- oder verurteilen. 
Auch die ostfriesischen Walfänger taten ihre Arbeit - weil sie keine andere Wahl hatten. Viele Walfänger starben bei ihrer gefährlichen Arbeit.

Erste Gesellschaft

Emden ist vermutlich die erste deutsche Hafenstadt, die nach dem Fall der "Noorschen Maatschapij" Ende 1642, (sie wurde von den Niederländern zum Zwecke des Walfangs gegründet, um mögliche Konkurrenz klein zu halten) zur Grönlandfahrt rüstete.

Unverzüglich taten "zu vermehrderung gemeiner kauffhandel und der burgerey nahrungk einige guthertzige sich zusahmen" um von der Ems aus einen grönländischen Betrieb zu eröffnen. Bürgermeister und Rat der Stadt stellten für die mit einem Kapital von 12000 Talern gegründete Kompagnie besondere Vergünstigungen in Aussicht.

Obwohl bis zum Jahre 1661 Schiffsleute auch aus den "Vereinigten Provinzen" für die Emder Grönlandfahrt gebraucht wurden, fehlte es nicht an erfahrenen Kommandeuren , ebensowenig an Speckschneidern und Harpuniere; denn viele Emder und Borkumer waren lange in Diensten der "Noorschen Maatschappij" gefahren und im Walfang geübt.

Bereits im Frühjahr 1643 sandte man zwei Fangschiffe die für den Walfang ausgerüstet waren, ins nördliche Polarmeer. Eines von ihnen wurde von dem Borkumer Jan Pieters de Jonge geführt. Ende Juli 1643 kamen beide Schiffe mit guten Fangergebnissen in den Heimathafen zurück.

In der Zwischenzeit, am 3. Juli, hatte man bereits " bey der großen Mühlen am Tief des Korbmachers Warff einen Platz provisionaliter zugewiesen erhalten, da sie den Speck der Wallvische kochen und den Tran bereiten möchte. " 44 Bürger erhoben dagegen Einspruch weil der unerträgliche Gestank die angrenzenden Häuser unbewohnbar machen, die Bleiche verderben und die Brauereien, die den Gestank nicht vertragen könnten, ganz und gar vernichten würde. Aus anderen Städten wurde sogar berichtet, daß Leute allein vom Geruch der Brennereien beim Vorbeigehen ohnmächtig geworden sind. Die Brennerei wurde deshalb vermutlich auf der Tranwarf vor dem Gelbe -Mühlenzwinger eingerichtet.

Durch den Erfolg der ersten Grönlandfahrt ermutigt, gründeten siebzig Emder Kaufleute, vorwiegend Mitglieder der französisch-reformierten-Gemeinde, die erste grönländische Kompagnie. Die Gesellschaft war auf Parten gegründet und bekam am 6.Okt.1643 vom Rat ein Privileg mit großen steuerlichen Vorteilen. Die Grönland Compagnie zahlte vor allem keine Abgaben mehr für die aus dem Ausland kommenden Ausrüstungsgegenstände und für den Torf, den die Schiffe verheizten.

Organisation der Emder Grönland Kompanien

a. Die Bevindhebber (Bevollmächtigte Geschäftsvertreter)

Boekhouder leitet die Ein- und Auszahlung der Gelder und die geschäftliche Verwertung des Fanges Equipagemeester übernimmt die Ausrüstung der Schiffe Kommandeur heuert die Besatzung und leitet die Fangreise eines Schiffes b. Die Partizipanten (Teilhaber) stellen das Kapital und setzen in zwei Hauptversammlungen den Zeitpunkt der Ausrüstung, die Verwendung des Fangs, die Höhe der Rücklagen und die Dividende fest.

Hindrick Harmens von Leer erhielt am 21.Nov. 1643 die Genehmigung, die Barten (Hornplatten im Maul der Bartenwale, auch Fischbein genannt) in Emden zu verarbeiten. Er hatte die Bartenmacherei als einziger in der Stadt von Jugend auf gelernt. Aus den verarbeiteten Walbarten wurden u.a. Peitschen, Teile für Regenschirme, Flechtwaren, Schachteln, Stockknöpfe, Stricknadeln und viele andere Dinge hergestellt. Aus den Knochen wurden auch Schlittenkufen angefertigt. Das wichtigste Produkt jedoch war der Tran, der u.a. in Öllampen brennend die dunklen Zimmer erhellte.

Die zweite Compagnie

Im September 1650 bat Eildert Göting im Namen seiner Mitbewerber den Rat der Stadt um die Genehmigung zur Errichtung einer neuen Grönlandkompagnie. Die alte Gesellschaft wandte sich dagegen. Falls die Genehmigung verweigert würde, wollte sie noch mehr Fangschiffe als bisher ausrüsten. Die Zulassung erfolgte jedoch am 23. Sept.

In der Folgezeit hat es meistens mehrere Walfanggesellschaften in Emden gegeben, die alle die gleichen Rechte wie die erste Grönlandkompanie hatten. Außerdem war es von Anfang an üblich, daß die Reeder nach jeder glücklichen Fangreise für die Witwen und Waisen sowie für die Armen der Stadt, zuweilen bis zu 100 Gulden stifteten.

Das "Entfanck"-Buch des Gasthauses von 1637-1674 enthält u.a. folgende Einträge:

Niederländischer Boykott

Im Jahre 1660 kamen 15 Schiffe wohlbehalten aus dem Eismeer nach Emden zurück. Vermutlich bildete dieses Jahr mit 15 Schiffen den Gipfel der Emder Grönlandfahrt. Mit Besorgnis beobachteten die Niederländer den Wachstum der Emder Walfangflotte. So verboten die niederländischen Generalstaaten im Jahre 1661 allen Bürgern die Beteiligung am Walfang ausländischer Städte. Auch die Ausfuhr holländischer Schiffe und Fischereigeräte wurde untersagt. Dieses Verbot traf Emden sehr, da sämtliche gecharterten Schiffe verloren gingen und man auch in den Niederlanden keine Fanggeräte mehr kaufen konnte. Trotzdem ließen sich die Emder nicht entmutigen; denn aus den Jahren 1662 bis 1664 wird von 25 Grönlandfahrten berichtet.

Die Schiffe

Am Anfang der Walfangaktivitäten gab es keine speziellen Schiffe. Es wurden zumeist aus- und umgerüstete Fleuten, aber auch andere Handelsschiffe, die Brigg-, Bark- und Vollschifftakelung hatten, zu den Fanggründen geschickt. Oben auf dem Mars des Großmastes befand sich eine Plattform für den Ausguckposten. Es dauerte wohl über 100 Jahre, bis aus den schwerfälligen Fleuten sich die "Bootschiffe" entwickelten. Diese Schiffe führten bis zu sechs Schaluppen (Fangboote) mit sich. Rasante Weiterentwicklungen im Schiffbau, wie wir sie heute kennen, gab es damals noch nicht. Auch keine technischen Zeichnungen. Die Bauweise der Schiffe, Formen und Abmessungen wurden mündlich von den Schiffbaumeistern an deren Nachkommen weiter gegeben. Ein durchschnittlicher, im 17. Jahrhundert gebauter Walfänger, hatte folgende Abmessungen:

Privilegium und Octroy der Grönländischen Compagnie in Emden

Wir Bürgermeister und Raht der Stadt EMBDEN urkunden und bekennen Kraft dieses, dass Wir dieser Stadt traffiques und Schiffahrth zu beneficiren, auff anhalten der participanten der Grönländischen Compagnie accordiret und octroyrt haben: 1. Dass alle Materialien und instrumenten, als Holz, Hopen von Eisen oder Kupffer gemacht oder ungemacht, so hier nicht zu bekommen, und von aussen anhero müssen gebracht werden, von Bezahlung der Zollen frei seyn und bleiben sollten. 2. Dass alle Turf und Holz, so zu Schiffe gebracht und darin muss verbraucht werden, gleich privilegium geniessen solle. 3. Dass vor diesmal zwar diese Compagnie wegen der Specke der Wallvische aus der See arrivirend mit dem Kranmeister sich zu vergleichen habe, inss künftig und folgende Jahren aber kein Zoll und Krahn Geld darvor abstatten, jedoch dass der Trahn, so davon gemacht und ausgeführet wirdt, solche Gebühr erleggen und bezahlen solle. 4. Dass die Vivres, davon die Imposten schon zuvor erlegt, ohn weitere entgeltnis auss den arrivirenden Schiffen frey zu Lande gebracht und von Traenkocherei consumiret werden sollen. Jedoch mit diesem Beding, dass solche Victualie gebührlich angegeben werde, damit alle Fraudes und Betrügerey verhütet und praecaviret werden mögen. Wie denn auch nicht weiniger dass uff den Schiffen übergebliebene und nicht consumirte Holz angegeben undt die gewohnliche imposten davon verleget werden sollen. Endlich damit diese Compagnie desto besserer in Schwang kommen undt zum aufnehmen gelangen möge, so sollen derselben diese privilegia Zehn nacheinander folgende Jahren hiermit octroyrt seyn. Urkundlich haben wir Bürgermeister und Raht obgem. dieser Stadt Ziegel hier unten anhangen lassen.

So geschehen Embden auf dem Rahthause den Sechsten Octobr. Ao Drei und Vierzig Ad mandatum Senatus Steph. Jorg D. Secr. mppa.

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* Vom Leben der Walfänger

Auf hoher See bereiteten Unwetter und Kälte den Seeleuten die größten Strapazen. Daran hatte sich auch bis zum Ende des 19. Jahrhunderts nicht viel geändert; denn einem Reisebericht von Kurt Faber entnehmen wir die folgenden Zeilen:

"Von Schlafen war fast keine Rede; denn unten im Mannschaftsraum sah es noch schlimmer aus wie draußen auf Deck. Dunkel und dumpf war es dort unten, wie in einem Kellergewölbe. Ächzende, stöhnende und krachende Laute erfüllten die Luft und das heulen des Windes hörte sich unheimlicher an wie draußen im Freien. Überall tropfte und rieselte das Wasser durch die Ritzen des undichten Decks, floß in die Kojen und tropfte herunter in den großen, plätschernden, übelriechenden Teich, der die Stelle des Fußbodens ausfüllte. Bei jedem Überholen des Schiffes schossen die schweren Seekisten polternd von einer Seite des Raumes zur anderen. Die neben den Kojen aufgehängten Kleider und das nasse Zeug pendelten platschend hin und her. Meist war es auch ganz dunkel in dieser Höhle, denn der kümmerlichen Lampe wurde alle Augenblicke durch das herunterrieselnde Wasser das bißchen Lebenslicht ausgeblasen".

Auf engstem Raum auf einem Schiff, dass eigentlich für eine Besatzungsstärke von 10 bis 12 Mann ausgelegt war, teilten sich ca. 45 Seeleute den vorhandenen Platz. In der Regel schliefen die Besatzungen in Hängematten, waren aber Kojen vorhanden, mussten sich drei Matrosen zwei Kojen teilen - einer von Ihnen war ohnehin immer auf Wache. Auch beim Essen setzten sich solche Einschränkungen fort: Mit Ausnahme der Offiziere saß man nicht an Tischen, sondern nahm seine Speisen liegend oder sitzend auf dem Fußboden zu sich, den Teller und den Löffel in der Hand. So ist es auch nicht verwunderlich, dass die Seeleute unter diesen Bedingungen an Läusen und Flöhen litten. Auch ein Waschen der Kleider war nur in den seltensten Fällen möglich. Das muss wohl besonders schlimm gewesen sein, wenn man folgenden Bericht eines »Chirurgen« hört: "Es darf kein Mensch aufm Schiff seinen Behuf (Notdurft) tun, es sei denn, daß er sehr krank ist, sondern muss hinaus auf den Schiffborden treten, mit einer Hand die Hosen und mit der anderen ein festgemachtes Tau, sich anzuhalten, ergreifen, obgleich das Schiff im vollen Segeln hin- und herschwankt". (Außerdem befindet sich das Schiff während der Fangfahrt in den kalten Polarregionen).

Religiosität

Die Männer auf den Walfangschiffen waren hart und an Zucht und Ordnung gewöhnt. Sie waren streng Gläubig und sprachen nicht nur in der Not ergreifende Gebete.

Dazu schrieb Wanda Oesau: 
"Die geheimnisvolle Polarwelt im Norden unserer Erde, die schon von uralten Zeiten her in den fantasiereichen Mythen nordischer Völker als Sitz von Göttern und Riesen galt, das gigantische kosmische Erlebnis von Meer- und Eisgewalten, unerhörte Lichtwirkungen (Polarlicht), reinster Unberührtheit, verbunden mit den Kämpfen um die Fabeltiere, vermittelten den Grönlandfahrern einen Eindruck von etwas Übergewaltigem und hob ihre Herzen immer wieder empor zum Göttlichen."

Freizeit an Bord

Während der freien Stunden, wenn nicht gejagt, geflenst oder abgemacht wurde oder stürmisches Wetter war, beschäftigten sich die Walfänger mit Schnitzen und anderem handwerklichen Geschick.

Wie von den Borkumer Walfängern bekannt ist, wurden die Frauen der Fahrensleute bei der Rückkehr ihrer Männer und Söhne stets mit selbsthergestellten Geschenken überrascht. Die angefertigten Gegenstände waren von verblüffender Qualität und Schönheit. Sie bauten aus Holz beispielsweise Truhen, "Bettbänke" (die zum Ersteigen der oft in bedenklicher Höhe angebrachten Wandbetten benutzt wurden), Plättbretter (Mangelbordjes) Tabakskästen sowie Wäschebehälter. Neben Namenszügen und Jahreszahlen waren häufig auch Inschriften religiösen Inhalts, oder aber Sprüche in den angefertigten Teilen geschnitzt. Z.B. lautet der Spruch auf einem Wäschebehälter: Wit gewaschen Net gevouwen, Is een sieraad Voor de vrouwen. Aber auch aus den Rohstoffen des Wals, wie z.B. den Zähnen, Barten und Knochen (letztere wurden gerne mit nach Hause genommen und dienten dort als Umzäunung des Gartens) wurden kleine Gebrauchsutensilien und Schmuckgegenstände angefertigt.

Während der Freizeit betätigten sich die Walfänger auch Sportlich. Es ist bekannt, dass man sich sogar während der Freistunden auf den Schiffen durch Leibesübungen fit hielt.

Der einzige Luxus der Walfänger bestand aus ein wenig Tabak. (Auf einigen Schiffen war das Rauchen nur nach Anordnung des Kommandeurs erlaubt). Die Walfänger sangen während der Arbeit auch gerne Lieder. Die Autorin Wanda Oesau, die viele Werke über den Walfang geschrieben hat, konnte einige alte Shanties zusammentragen, die speziell auf den Walfang bezogen waren. Ein Text lautet beispielsweise:

Wollt Ihr mal ein Untier sehn dann müßt Ihr hin nach Grönland gehn.

Komdür in't Kreinnest süht all'n Wal und brüllt nu "Fall! Fall! Öwerall!"

Steu'rmann zielt auf den Walfisch los und gibt ihm den Harpunenstoß.

Der Steu'rmann spricht: "Muß selber sehn muß selber auf dem Eise gehn!"

Er haut ihm ab den dicken Kopf. Das Speck wird in ein Faß gestopft.

 

Die Verpflegung

Vor Beginn einer Reise, bekamen die Matrosen ein Handgeld ausgezahlt, und da viele Reeder nicht selten an der Verpflegung der Mannschaften sparten, mussten die Matrosen von ihrem Handgeld u.a. Kaffee, Tee, Zucker und Tabak, manchmal auch ein Fäßchen Branntwein, sofern sie dieses mitnehmen wollten, bezahlen. Wer sich keinen Branntwein erlauben konnte, bekam diesen spätestens nachdem ein Wal harpuniert wurde. Auf den Schiffen war es üblich, die Besatzung nach jedem Fang und "festgemachten Wal," mit einem Schluck Branntwein zu belohnen.

Trotz großer Mengen Proviant brachte der Küchenzettel auf einem Walfänger nicht viel Abwechslung und fast unverändert bekamen die Waler Woche für Woche:

Nur selten gab es weiße Bohnen oder Sauerkraut. Kartoffeln kannten die damaligen Walfänger noch nicht; denn diese wurden erst Mitte des 18. Jahrhunderts durch "Friedrich den Großen" »1740 bis 1786 König« in Preußen eingeführt. Durch den Seehandel mit Spanien wäre es jedoch nicht auszuschließen, dass es die Kartoffel schon im 17.Jahrh. in Ostfriesland gegeben haben könnte.

Nicht nachweisbar sind die Annahmen, dass die Waler während der Seereisen Fische gefangen haben; auch der Verzehr von frischem Walfleisch konnte bislang noch nicht bestätigt werden.
Durch den ständigen Genuss von gesalzenen und getrockneten Speisen und den Mangel an frischem Gemüse, bestand unter den Seeleuten immer die Befürchtung, daß sie an Skorbut erkrankten. Zur Vorbeugung besorgte man sich, wenn auf der Reise Spitzbergen angelaufen wurde, hier frische Nahrung. Dort schoss man Rentiere und Eisbären, sowie Wasservögel. Außerdem wurden Vogeleier gesammelt. Wichtiger als alles andere war aber das vitaminreiche "Löffelkraut". Auf dem Vogelmist, der auf den Außenklippen von Spitzbergen lag, wuchs dieses Kraut. Es war süßlich und man nannte es scherzhaft "Grönlandsalat". Der Chirurg Johann Dietz (Chirurgen waren an Bord der Schiffe für das Wohlbefinden der Besatzung zuständig. Haare schneiden, Zähne ziehen und in der Not abgefrorene Gliedmaßen amputieren, waren die Aufgaben der Schiffschirurgen) beschreibt folgende Situation:
"Vor Spitzbergen warfen wir die Anker aus und brachten die Schaluppen ins Meer. Das erste war, daß wir die Kranken (an Skorbut leidenden) an Land brachten, welche wie das Vieh zum Teil mit dem Maul das Schlath, welches eine Art Kraut, fast wie das Löffelkraut, von der Erde fraßen und in drei Tagen alle gesund wurden." Scharbockskraut = Löffelkraut (Cochlearia officinalis) ist nicht nur auf Spitzbergen sondern im ganzen nördlichen Europa am Meeresstrand verbreitet.

 

Unglücke

Mangelkrankheiten jedoch konnten den Walern weniger anhaben als Wind und Wetter. Trotz besonderer Eisverstärkung (die Schiffe mußten ans und sogar durch das Eis segeln) gingen viele Schiffe durch Eispressung und Sturm verloren. Aber auch beim Kampf mit dem Wal fand mancher Seemann sein eisiges Grab in den Gewässern der Fanggebiete. Aus dem Kirchenbuch von Borkum wird u.a. aus dem Jahre 1759 berichtet: "Den 10. Juni is Cornelis, zoone van Sede Focken, varende met de Commandeur Gerrit Jansen Visscher, in Straat Davis, in de sloep zijnde, door een walvisch omgeslagen en verdronken." (Die Schaluppe, in der der Sohn von Sede Focken, Cornelis, saß, ist durch einen Wal gekentert. Cornelis ertrank).

Im Jahre 1657 kamen von neun ausgelaufenen Schiffen nur noch fünf in den Emder Heimathafen zurück. Die Besatzungen (auf einem Schiff waren um die 40 Seeleute) wurden nur teilweise gerettet.

Neun Walfänger verließen am 2.4.1657 den Emder Hafen:

Die Schiffe gerieten am 2.5.57 an der Westküste von Spitzbergen in einen schweren Sturm. Dabei verlor die Harderinne Masten und Ruder und strandete. Am selben Abend gingen Der Waalfisch, Der Bauer, und in der Nacht auch noch Kaisers Wapen verloren. Die restliche Flotte kehrte am 22.8.57 nach Emden zurück.

Ein anderes Unglück ereignete sich vier Jahre vorher, am 10.09.1653, als bei einem Stapellauf im Falderndelft 255 Personen, darunter viele Kinder, ums Leben kamen. Man hatte hunderte von Menschen an Bord gehen lassen, die den Ablauf des Schiffes miterleben wollten. Während des Ablaufes gab es ein Stocken, das Schiff fiel auf eine Seite und kenterte. Ob es sich hierbei, wie oft angenommen, um ein Walfangschiff handelte, ist nicht nachweisbar. *

Die letzte Emder Grönlandcompagnie

Als im April 1710 der Sammler Conrad von Uffenbach aus Frankfurt während einer Studienreise auch Emden besuchte, zeigte man ihm, als er das Rathaus besichtigte, direkt bei der Tür zur Ratsstube etwas besonderes. Die Eintragung in seinem Tagebuch lautet:

"Gleich bey der Thüre wurde uns etwas als was besonders gezeiget, welches mir sehr läppisch vorkame, und mich wunderte, daß man es hieher gehänget, noch mehr aber, daß es dem Fürsten von Ost-Friesland zu Ehren, als er das erste mal (das war im Oktober 1699) allhier gewesen, soll gemacht worden seyn. Selbiges aber war eine papierne Laterne, so oben an der Decke hienge. In dieser waren inwendig der Wallfischfang und eine Jägerey von Pappendeckel zierlich ausgeschnitten, welches sich durch den Dunst eines Lichts (das sie uns deswegen anzündeten) immer herum drehet, wie dergleichen von den Nürnbergern für die Kinder, auf den Ofen zu setzen, gemacht werden. Dabey hienge auch ein klein Modell von einem vollkommenen Kriegs-Schiff".

Wahrscheinlich wurde dem Gast die aus Papier angefertigte »Laterne« mit der Darstellung des Walfangs mit Wehmut gezeigt; denn gerade aus dieser Zeit (zwischen 1705 und 1740) gibt es vom Emder Walfang kaum Meldungen, erst um 1740 kam der Walfang in Emden langsam wieder in Schwung. In Bremen wurde 1740 das Schiff "Margaretha", ein altes Fahrzeug, das bereits 1695 (Vermutlich sogar noch eher) von der Weser auf Walfang ausgesegelt war, nach Emden verkauft. Es wurde 1741 in "Catharina" umgetauft und fuhr für Emder Rechnung nach Grönland. Eigentümer war der Sekretär Mentet Haykens. In den folgenden Jahren liefen noch viele Emder Schiffe zum Walfang aus. Teilweise existieren von den Schiffen auch Besatzungslisten und konkrete Fangergebnisse. Diese Daten würden jedoch den Umfang dieses Berichtes sprengen.

Die wahrscheinlich letzte Grönlandkompagnie in Emden wurde im Jahre 1852 gegründet. Diese Kompagnie war auf Aktien gegründet worden und sandte 1852 einige Schiffe zum Robbenschlag aus.
Mit 1400 Robben und einem Eisbären kam ein 1853 ausgelaufenes Schiff wieder zurück. 1854 betrug die Beute 99 Robben. In einem schweren Sturm geriet die zur Robbenjagd ausgelaufene Brigg Activ. Aus dem Journalbuch des Kieler Grönlandfahrers "Nordstern", Kommandeur Christian Erichsen, entnehmen wir von dem Schicksal der zwölf verunglückten Seeleute, folgenden Bericht:
17. April 1854; "Des Nachmittags kamen wir bey das Schiff Tidselholdt von Flensburg, Comd. P. Carl und Schiff Cecilie v. Rönne, wo ich und P. Carl an Bord fahren mit unsern Chirurgen, den der Comd. war krank. Die "Insel Föhr", Comd. Ohrt, war geblieben. Schiff "Cecilie" hatte zwischen Schiffstrümmer gewesen, wovon er einzelne Teile aufgefischt hatte, z.B. ein Bodenfaß, Treppe, eine neue Schaloppe usw. Nach allem diesen zu rechnen, waren diese Sachen von dem Schiffe "Johann Christoph von Elmshorn", Comd. Jacob Schüder. Comd. P. Carl hatte vom Schiffe Activ von Emden, Comd. H. Hinrichsen, 5 Mann vom Eise geholt, wovon nur noch einer lebendig gewesen, dem aber anjetzo die Füße verfrohren und wahrscheinlich beyde Beine, bis ans Knie verliehren mußte. An denselben Eisschollen waren 2 Schaloppen vom Schiff Activ entzweygeschlagen, 5 Mann waren zugleich ertrunken, 7 Mann hatten sich noch fürs erst auf den Eisschollen gehalten, bis sie nach und nach für Kummer und Kälte umgekommen, 2 Mann waren todt weggespült, und die anderen 4 Todte waren im Eise eingefroren gewesen, die sie an Bord genommen und nach Seemannsweise beerdigt hatten."

Die Grönlandfahrt hatte im Jahre 1854 durch Sturm und Eisverhältnisse besonders zu leiden.

Eines ging aber auch schon im Jahre 1854 aus einem Zeitungsbericht hervor, nämlich daß der Robbenfang eine Massenschlächterei übelster Art ist. Ein Robbenfangschiff wurde schon seinerzeit treffend "Robbenklopper" genannt.

Die Beute der Walfänger

Die Jagdbeute der Walfänger war neben dem "Nordkaper" (Right Whale), auch der "Grönlandwal" (Balaena mysticetus) Als eine der am stärksten bedrohten großen Walarten lebt der Grönlandwal am Rande des arktischen Packeises, im Winter vom wachsenden Eis nach Süden verdrängt, im Sommer der abschmelzenden Eiskante nach Norden folgend. Der Grönlandwal kann bis zu 20m lang werden. Seine Barten sind die Längsten von allen Walarten und können bis zu 4,50 m lang werden. Der Wal ist völlig schwarz, bis auf einen weißen Kinnfleck und manchmal einen Bauchfleck sowie graue Streifen um die Schwanzwurzel herum. Die Kälber dieser Walart werden nach einer Tragzeit von ca. 13 Monaten geboren und sind bei der Geburt etwa 4m bis 4,50m lang. Der Grönlandwal ernährt sich von Krill und anderen kleinen Lebewesen. Der Bestand dieser einst so reichlich vorhandenen Wale wurde schon im 18. Jahrhundert in der östlichen Arktis durch den Walfang sehr stark dezimiert. Sie werden heute noch von den Eingeborenen vor Alaska gejagt, wo sich die letzten Populationsschätzungen auf unter 4000 Tiere beliefen.

Zeugnisse vom Emder Walfang

Die Grönlandfahrt hatte eine hohe wirtschaftliche Bedeutung und vom Erfolg der Walfänger hing die Existenz vieler Emder Familien ab. Aber auch für die Stadt Emden trug der Walfang zum Wohlstand bei.

Sichtbare Zeugnisse vom damaligen Walfang lassen sich heute in Emden kaum noch aufspüren - ein Grabstein eines Walfängers auf dem Friedhof der Großen Kirche, wurde im Krieg zerstört. Jedoch kann man in der Faldernstraße den "Jonas im Wal" bewundern, diese in Sandstein gearbeitete Skulptur zierte früher den Eingang eines Walfängerhauses. Der Standort der Tranbrennerei soll nach neuesten Erkenntnissen im heutigen Bereich zwischen der Emder Jugendherberge und dem Schwanenteich gelegen haben. Dokumente über den Emder Walfang findet man im Stadtarchiv. Wer jedoch den Weg nach Borkum nicht scheut, kann z.B. dort die stummen Zeugen einer "glanzvollen Zeit", nämlich die Überreste alter Walkinnladen und Rippen, die als Gartenzaun dienen, bestaunen. Auch im dortigen Heimat-Inselmuseum gibt es einiges über den historischen Walfang zu sehen.

Dieser Bericht umfasst nicht den ganzen Zeitraum des Emder Walfangs, er gibt lediglich einen Ausschnitt einiger interessanter Passagen aus der Walfanggeschichte Emdens wieder. Ausführlichere Informationen können u.a. aus den Ausarbeitungen der folgenden, für diesen Bericht benutzten, Literaturliste entnommen werden.

Alfred  Schmidt

 

Quellen:

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